Twogee Biotech sammelt 2,16 Millionen Euro ein
Twogee Biotech hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 2,16 Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Investoren gehören der High-Tech Gründerfonds und Bayern Kapital. Ergänzt wird die Runde durch strategische Partner wie die AgriFoodTech Venture Alliance und Heinz Entsorgung, die das Münchner Startup bei der Skalierung unterstützen.
Mit der Finanzierung will Twogee Biotech die Entwicklung und Kommerzialisierung seiner Enzymplattform beschleunigen. Das Startup wurde 2024 in München gegründet und entwickelt kundenspezifische Enzymlösungen sowie Produktionsstämme für industrielle Anwendungen. Ziel ist es, Biomasse-Seiten- und Restströme wirtschaftlich nutzbar zu machen und als Rohstoffquelle für Industrieunternehmen zu erschließen.
Bei Seitenströmen handelt es sich um biogene Materialien, die als Nebenprodukte in Industrie‑, Landwirtschafts- oder Entsorgungsprozessen anfallen. Dazu zählen etwa pflanzliche Rückstände oder organische Reststoffe, die bislang häufig nur geringwertig genutzt oder entsorgt werden. Twogee Biotech wandelt diese Stoffe mithilfe von Enzymen in Rohstoffe der zweiten Generation um, insbesondere in sogenannte 2G-Zucker.
Diese 2G-Zucker sind reststoffbasiert und stehen nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Sie dienen als Ausgangsstoffe für chemische, bio- und synbiologische Prozesse und können fossile oder lebensmittelbasierte Rohstoffe ersetzen. Für Industrieunternehmen entsteht so die Möglichkeit, bestehende Anlagen weiter zu nutzen und gleichzeitig ihre Rohstoffbasis zu verändern.
Frank Wallrapp, CEO von Twogee Biotech: „Viele industrielle Reststoffe enthalten erhebliche ungenutzte Wertschöpfung. Wir helfen unseren Partnern, diese Potenziale mit minimalem Integrationsaufwand und klarer wirtschaftlicher Perspektive zu erschließen.“
Ausbau von Infrastruktur und Team
Das eingeworbene Kapital investiert das Startup vor allem in den Ausbau seiner Infrastruktur und in personelles Wachstum. Am Standort Martinsried bei München betreibt Twogee Biotech bereits eigene Labore und Bioreaktoren. Erste Minimum Viable Products sind verfügbar, zudem laufen bezahlte Pilotprojekte mit Industriepartnern.
Helge Jochens, CTO und Mitgründer: „Ein wesentlicher Teil der Finanzierung fließt in den Ausbau unserer Labore im IZB mit prädiktiven Bioreaktorsystemen sowie in die Verstärkung unseres Teams um erfahrene Prozess- und Scale-up-Experten. So stellen wir sicher, dass unsere Entwicklungen wirtschaftlich in den Produktionsmaßstab unserer Kunden übertragbar sind.“
Ein weiterer Bestandteil des Geschäftsmodells ist ein Lizenzansatz, der auch die lokale Enzymproduktion beim Kunden ermöglicht. Dadurch lassen sich Kosten und Transportemissionen senken und dezentrale Wertschöpfungsketten aufbauen.
Mit der abgeschlossenen Seed-Finanzierung positioniert sich Twogee Biotech als technologischer Entwicklungspartner für Industrieunternehmen, die Biomasse-Seitenströme systematisch nutzen und ihre Rohstoffversorgung schrittweise auf CO2-arme Alternativen umstellen wollen.