Rückblick

30.06.2014

Luftfahrtmesse ILA: Abheben mit Biokerosin

Seit Jahren wächst der Luftverkehr, zuletzt stiegen Passagier- und Frachtaufkommen um rund fünf Prozent jährlich. Damit steigt auch der Treibstoffverbrauch: Rund 213 Milliarden US-Dollar werden die Fluggesellschaften weltweit in diesem Jahr allein für Kerosin ausgeben, schätzt die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung IATA. Der Flugtreibstoff wird so zu einem wesentlichen Kostentreiber für die Branche. Die Suche nach Alternativen hat längst begonnen. Das wurde auch auf Deutschlands größter Luftfahrt-Messe, der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin deutlich: Neben Programmen zur Effizienzsteigerung werden auch Forschungsprojekte mit alternativen Treibstoffen wie Algenkerosin vorangetrieben.

Auf der ILA sind alternative Flugkraftstoffe noch ein Nischenthema, die Bedeutung für die Branche wird aber zweifelsohne in Zukunft stetig zunehmen. Ab 2020 will die Branche CO2-neutral wachsen, haben die IATA-Mitglieder in einer Selbstverpflichtung beschlossen. Und die deutsche Luftfahrt will dem herkömmlichen Flugbenzin bis zum Jahr 2025 rund 10 Prozent Biosprit beimischen, sagt Joachim Szodruch. Im Verband Aireg, der Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany, ist er Präsident für Wissenschaft und Forschung. Die Biokraftstoffinitiative der deutschen Luftfahrt wurde 2011 gegründet, um den alternativen Antrieben zum Durchbruch zu verhelfen.

Forschungsprojekte zeigen Praxistauglichkeit

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Forschungsprojekten angelaufen, wie z. B. das Projekt "Advanced Biomass Value" (Anm. der IBB Netzwerk GmbH), um Fliegen weniger klimaschädlich zu machen. Erst Mitte Mai startete ein Passagierflugzeug von Amsterdam-Schiphol zum längsten kommerziellen Flug mit nachhaltigen Flugkraftstoffen, der je mit einem Airbus-Flugzeug durchgeführt wurde. Für den zehnstündigen Flug zur niederländischen Karibikinsel Aruba wurde der Flieger mit einer 20-prozentigen Beimischung mit einem nachhaltigen Kraftstoff aus recyceltem Speiseöl betankt. Die Lufthansa hatte bereits 2011 erste Probeflüge mit Biokerosin unternommen. Und die Fluggesellschaft British Airways hat kürzlich bekannt gegeben, ab 2017 aus Londoner Abfall jährlich 50.000 metrische Tonnen Kerosin herstellen zu wollen. Bei dem von der amerikanischen Firma Solena Fuels entwickelten Verfahren wird Müll zunächst auf 3500 Grad erhitzt um daraus Synthesegas herzustellen, welches anschließend zu Kerosin verarbeitet wird.

Algen oder Abfälle für die Biokerosin-Pipeline

Derzeit werden in den Forschungsprojekten noch eine ganze Reihe unterschiedlicher Ansätze verfolgt. Kraftstoffe aus Pflanzenresten, Algen, Abfällen oder aus Nüssen von auch auf kargen Böden wachsenden Pflanzen wie die Brechnuss (Jatropha) könnten helfen, eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu vermeiden. Welche Methode sich letztlich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass auch in Abhängigkeit von den lokalen Gegebenheiten mal der einen und mal der anderen Technik der Vorzug gegeben wird.

Kerosin aus Sonnenlicht

In der Grundlagenforschung ist man bereits einen Schritt weiter: Statt auf Biomasse als Rohstoff für Kerosin zu setzen, suchen Forscher nach Möglichkeiten, aus Kohlendioxid und Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht direkt Flugtreibstoff zu entwickeln. Im Labor konnten Forscher der ETH Zürich das sogenannte Solar Fuel bereits herstellen: Mit Kunstlicht wird ein Katalysator aus Cerium-Oxid auf rund 1500 Grad erhitzt. Das Material gibt Sauerstoff ab, wird abgekühlt und erzeugt aus Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Die weitere Verarbeitung dieses sogenannten Synthesegases ist dann unproblematisch. Seit Jahrzehnten nutzt die Industrie das sogenannte Fischer-Tropsch-Verfahren um daraus Diesel, Benzin oder Kerosin herzustellen. Eines Tages könnten große Solarturmkraftwerke genutzt werden, um den Solarkraftstoff zu produzieren. Bis es jedoch soweit ist – frübhestens in 20 Jahren, so erste, optimistische Schätzungen – müssen andere Verfahren genutzt werden. Hier könnte das Biokerosin eine gute Wahl sein.

Quelle: biotechnologie.de/bk

zurück