Rückblick

22.11.2012

Horizon 2020: Informationsveranstaltung der Bayerischen Forschungsallianz

Am 22. November fand in München eine Informationsveranstaltung zum nächsten EU-Rahmenprogramm „Horizon 2020“ unter der Federführung der Bayerischen Forschungsallianz GmbH (BayFOR) statt. Wir waren für Sie dabei und haben die wichtigsten Details zusammengefasst.

Die EU startet 2014 mit „Horizon 2020“ das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für die nachfolgenden sieben Jahre, von 2014 bis 2020. Da Horizon 2020 die gesamte Innovationskette abdecken soll - von der Grundlagenforschung über Anwendung, Innovation und Markterschließung – werden hohe Erwartungen in das Programm gesetzt. In den letzten Tagen und Wochen war jedoch vor allem der angesetzte finanzielle Rahmen von voraussichtlich 80 Mrd. Euro in der öffentlichen Diskussion zu vernehmen. Mehr als 40 Nobelpreisträger und 130.000 Bürger haben sich gegen Kürzungen bei Horizon 2020 ausgesprochen. (mehr...)

Unabhängig von der finanziellen Ausstattung wird Horizon 2020 auf drei strategische Prioritäten ausgelegt:

  • Forschungsexzellenz
  • Führungsrolle der Industrie
  • gesellschaftliche Herausforderungen

Nach der Begrüßung durch Martin Reichel, Geschäftsführer der Bayerischen Forschungsallianz, stellte Dr. Peter Fisch, Referatsleiter „Ex-Post Evaluierung und Reporting“ in der Generaldirektion Forschung und Innovation, die Erfahrungen aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (7. FRP) den Zielen von Horizon 2020 gegenüber.

Kurzüberblick: 7. EU-Forschungsrahmenprogramm:

  • Bisher wurden rund 79.000 Anträge gestellt. Davon wurden rund 16.000 Projekte gefördert, was einer Förderquote von 20 % entspricht.
  • Die Projektteilnehmer kommen zu 38 % von Hochschulen, zu 28 % aus der Wirtschaft (17 % davon waren KMUs) und zu 26 % von außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sollen in Horizon 2020 stärker mit einbezogen werden. Ihnen kommt eine große Rolle als Wachstumsmotor und Arbeitgeber zu. Um eine stärkere Beteiligung von KMUs zu erreichen, sollen z. B. bei der Umsetzung von Horizon 2020 einfachere Beteiligungsregeln, einheitliche Förderquoten und ein Pauschalsatz für indirekte Kosten eingeführt werden. Außerdem wird großer Wert auf neue Strukturen zur Fokussierung auf Innovationsaspekte gelegt werden. Ein integrierter Ansatz von "Forschung & Innovation" wird sich auch auf die prioritären Themenstellungen, die Zusammensetzung der Konsortien und das Projektmanagement auswirken. KMUs sollen zukünftig von Anfang an die Schnittstelle zwischen Forschung und Umsetzung bilden.

Für die Wissenschaft bietet das neue Programm das gesamte Spektrum von der Grundlagenforschung bis zum Prototyp. Hierzu wird es jedoch wichtig werden, die eigenen Kompetenzen richtig zu positionieren, damit „Streuverluste“ vermindert werden. Auch veränderte Evaluationskriterien, eine starke Vernetzung mit der Wirtschaft und die Einbeziehung der „neuen“ Mitgliedstaaten eröffnen neue Chancen.

Der Vortrag von Dr. Bernd Reichert, Referatsleiter „KMU“ in der Generaldirektion Forschung und Innovation, analysierte die Position der KMUs in bisherigen Projekten und was sich bei Horizon 2020 ändern soll. Er wies auf das Problem hin, dass nur ca. 22 % der bei EU-Projekten beteiligten KMUs einen strategischen Plan haben, denn meist seien diese nur Mitläufer. Daneben werden Projektergebnisse viel zu selten kommerziell vermarktet. Das Ziel von Horizon 2020 ist deshalb auch, KMUs für die Koordination von Projekten zu ermutigen, welche marktorientiert ausgerichtet sein sollen. Hierzu bietet Horizon 2020 das "KMU-Instrument", welches klein- und mittelständische Unternehmen ein Stück weit weg von der reinen Forschung, näher hin zu Entwicklung und Kommerzialisierung bringen soll.

In der anschließenden Diskussionsrunde „Neue Wege in die europäische Forschungsförderung - Was erwartet deutsche Teilnehmer?“ diskutierten die Teilnehmer die oben angeführten Probleme und Möglichkeiten weiter. Als Fazit lässt sich zusammenfassen: Horizon 2020 positioniert sich sowohl in der Grundlagenforschung, als auch am Übergang zu Innovation und Markteintritt. Damit ist es im Gegensatz zu den bisherigen EU-Rahmenprogrammen 1-7, welche (fast) reine Forschungsprogramme waren das erste, welches sowohl für Forschung als auch für Innovation steht und damit die Industrie noch stärker miteinbeziehen will.

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