Fortschrittliche Biokraftstoffe im Brennpunkt

Auf dem Pressegespräch am 6. September 2016 in Berlin lieferten Experten Zahlen und Fakten zum Bedarf an fortschrittlichen Biokraftstoffen, zu technologischen Möglichkeiten sowie zu anstehenden politischen Entscheidungen.

Martinsried, 08.09.2016 - Etwa ein Duzend Medienvertreter kam am 6. September 2016 im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin zusammen und nutzte die Möglichkeit, mit Experten aus der Biokraftstoff-Szene zu diskutieren. Anlass der Veranstaltung ist eine Richtlinie der Europäischen Kommission, die bis September 2017 umgesetzt werden muss. Danach sollen Mitgliedstaaten ab 2020 eine Mindestquote von 0,5 Prozent für fortschrittliche Biokraftstoffe einführen. Die Industrielle Biotechnologie Bayern Netzwerk GmbH (IBB Netzwerk GmbH) hatte für das Pressegespräch Referenten von Clariant, Audi und TOTAL eingeladen.

Als Einstieg und Beispiel für fortschrittliche Biokraftstoffe zeigte ein Kurzfilm die Herstellung von Bioethanol aus agrarischen Reststoffen, wie z.B. Stroh. Dr. Gloria Gaupmann von Clariant Produkte (Deutschland) GmbH ergänzt: "Fortschrittliche Biokraftstoffe sind nahezu klimaneutral und können schon heute in der bestehenden Fahrzeugflotte und mit existierender Infrastruktur eingesetzt werden. Die Rohstoffe sind vorhanden: Allein mit bisher ungenutzten landwirtschaftlichen Reststoffen könnten wir in Deutschland über 20 Mal so viel fortschrittliche Biokraftstoffe herstellen, als für die Erreichung eines 0,5 Prozent-Ziels nötig wären." Obwohl technologisch viel möglich ist, ist der Markteinstieg schwierig, wie Herr Reinhard Otten von AUDI berichtet: "High-Tech-Unternehmen im Bereich innovativer Kraftstoffe haben im Moment aufgrund der niedrigen Rohölpreise und wegen fehlender Marktanreize große Schwierigkeiten, Kunden für ihre Produkte und Entwicklungsleistungen zu finden. Aus diesem Grund gehen in Europa wie in den USA derzeit viele dieser Firmen trotz großer technischer Fortschritte in die Insolvenz." Die Referenten wiesen darauf hin, dass eine verlässliche Industrie- und Umweltpolitik nötig ist, um Investorensicherheit zu schaffen und damit den Markteinstieg mit Projekten im industriellen Maßstab sowie mit wirtschaftlicher Perspektive zu ermöglichen.

Einigkeit herrschte in der Frage, dass fortschrittliche Biokraftstoffe ein wichtiger Beitrag sind, um nachhaltig zu handeln und auf Dauer CO2-Emissionen zu senken. Herr Reinhard Otten führt aus: "Bei Personenkraftwagen wird in Zukunft sicherlich viel über Elektromobilität laufen, aber auch hier wird der Verbrennungsmotor, realistisch betrachtet, in den nächsten Jahren noch eine große Rolle spielen. Und beim Schwerlastverkehr, bei Schiffen und vor allem in der Luftfahrt sind wir sowieso weiterhin auf Kohlenwasserstoffe mit hoher Energiedichte angewiesen, Elektroantrieb allein reicht hier nicht aus." Zum Thema Flugverkehr ergänzt Dr. Ralf Stöckel von TOTAL: "Das selbstgesteckte Ziel der Luftfahrt ist es, bis 2050 nur noch die Hälfte der CO2-Emissionen von 2005 auszustoßen. Das ist sehr ambitioniert, da im Luftverkehr gleichzeitig ein Anstieg der Fluggastzahlen um 3-5 Prozent pro Jahr erwartet wird. Deshalb brauchen wir dringend im industriellen Maßstab produzierte Kraftstoffe mit niedrigen Emissionen."

Das Pressegespräch "Antrieb für Deutschlands Wirtschaft: Fortschrittliche Biokraftstoffe" war der erste Teil einer Doppelveranstaltung, organisiert durch die IBB Netzwerk GmbH. In knapp zwei Wochen sind neben Medienvertretern vor allem Politiker und Industrierepräsentanten eingeladen, um am gleichnamigen politischen Workshop teilzunehmen. Der Workshop findet am 20. September 2016 von 15:00 Uhr bis ca. 18:30 Uhr, im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40/ Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin statt. Weitere Informationen zum Workshop sowie das Anmeldeformular finden Sie unter www.bit.ly/BiofuelsEventBerlin.

Beide Veranstaltungen werden vom 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission (FP7/2007-2013) unter Grant Agreement Nr. 322386 gefördert. (3.172 Zeichen)

Informationen zu fortschrittlichen Biokraftstoffen

Fortschrittliche Biokraftstoffe stellen eine neue Generation an Biokraftstoffen dar. Sie werden durch innovative und umweltfreundliche Technologien entwickelt und ohne den Einsatz von potenziellen Lebens- oder Futtermitteln hergestellt; die Gesamtbilanz aus Herstellung und Verbrennung ist außerdem nahezu CO2-neutral. Beispiele sind Zellulose-Ethanol aus agrarischen Reststoffen, Biokerosin durch Algen, oder Methan, das mittels erneuerbarer Energiequellen aus Kohlendioxid erzeugt wird (Power-to-Gas). Durch den Einsatz innovativer Technologien, durch die hohe Effizienz und den äußerst geringen Flächenbedarf hat diese neue Kraftstoffgeneration großes wirtschaftliches Potenzial. Für die Markteinführung werden aber günstige und stabile politische Rahmenbedingungen benötigt. Die Europäische Kommission empfiehlt daher die Einführung von Mindestquoten für fortschrittliche Biokraftstoffe auf nationaler Ebene bis 2020.

Über die Industrielle Biotechnologie Bayern Netzwerk GmbH (IBB Netzwerk GmbH)

Die IBB Netzwerk GmbH ist eine Netzwerk- und Dienstleistungsorganisation auf dem Gebiet der Industriellen Biotechnologie und nachhaltigen Bioökonomie. Ihr Ziel ist, die Umsetzung wertvoller wissenschaftlicher Erkenntnisse auf diesen Gebieten in innovative, marktfähige Produkte und Verfahren zu fördern. Die IBB Netzwerk GmbH betreibt unter anderem das Management der ZIM-Kooperationsnetzwerke "UseCO2", "Waste2Value" und "BioPlastik" und unterstützt die Partner bei der Ausarbeitung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Sitz des Unternehmens ist Martinsried bei München. Weitere Informationen unter www.ibbnetzwerk-gmbh.com."

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