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06.11.2014

SUNLIQUID: Marktreifes Zellulose-Ethanol aus Agrarreststoffen

Der Verkehrssektor verbraucht rund die Hälfte des weltweiten, immer knapper werdenden Erdölvorkommens, gleichzeitig gelten die dabei entstehenden CO2-Emissionen als Mitverursacher der globalen Erwärmung. Die kommerzielle Reife einer nachhaltigen, klimafreundlichen Alternative möchte das im April 2014 gestartete EU-Projekt SUNLIQUID (sunliquid® large scale demonstration plant for the production of cellulosic ethanol) demonstrieren. Die EU unterstützt das Vorhaben mit 23 Mio. Euro aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm über vier Jahre.

Das von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH (IBB-Netzwerkmitglied) entwickelte sunliquid®-Verfahren produziert aus Agrarreststoffen Zellulose-Ethanol, einen fortschrittlichen, nachhaltigen und klimafreundlichen Biokraftstoff der zweiten Generation. Dabei dienen Nebenprodukte der heutigen landwirtschaftlichen Praxis, wie Getreide- oder Maisstroh, als Rohstoff, die keine Verwendung als Nahrungsmittel finden und nicht um Anbauflächen konkurrieren. Der Prozess wandelt den schwer zugänglichen C5- und C6-Zucker aus diesen Pflanzenteilen beinahe vollständig in Ethanol um. In Straubing wird seit 2012 in einer Prototypen-Anlage die technologische Reife des Prozesses demonstriert. Das EU-Projekt hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Wirtschaftlichkeit dieser innovativen Technologie mit dem Bau und Betrieb einer Produktionsanlage im kommerziellen Maßstab unter Beweis zu stellen. Unter der Koordination von Dr. Markus Rarbach, Head of Biofuels & Derivatives bei Clariant, beteiligen sich fünf weitere Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und Ungarn an SUNLIQUID.

„Unser großer Pluspunkt ist unser vollständig integriertes Prozessdesign“, so Dr. Rarbach. „Die Produktion erfolgt energieautark und beinahe CO2-neutral. Das durch das sunliquid®-Verfahren erzeugte Ethanol zeichnet sich durch eine hervorragende Klimabilanz aus: Im Vergleich zu fossilem Benzin emittiert unser Zellulose-Ethanol rund 95 Prozent weniger Treibhausgase.“ Zudem ist der Prozess durch die Verwendung von rohstoffspezifischen Enzymen besonders effizient und ermöglicht durch die prozessintegrierte Produktion der Biokatalysatoren langfristig konkurrenzfähige Produktionskosten.

Nach Vorgaben der EU-Kommission sollen im Transportsektor bis 2020 10 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abgedeckt, sowie Treibhausgasemissionen um 6 Prozent gesenkt werden. Zellulose-Ethanol könnte durch die Verwertung von Überschussstroh rund 25 Prozent der für 2020 prognostizierten Nachfrage nach Benzin in der EU decken. Langfristig lässt sich so die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen und erdölexportierenden Ländern verringern. Zellulose-Ethanolanlagen werden nahe am Rohstoff in überwiegend ländlichen Regionen gebaut. Dort unterstützen sie wirtschaftliches Wachstum und neue Arbeitsplätze durch einen steigenden Bedarf an Fachkräften für den Betrieb der Anlage, sowie für die Verarbeitung lokaler Rohstoffe. Mehr unter www.sunliquid-project-fp7.eu.

Quelle: BayFOR Newsletter Oktober 2014

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