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29.04.2013

Zukunftsmärkte nachhaltig gestalten

Auf der Suche nach Ersatz für Öl, Gas und Kohle setzen Wirtschaft und Politik weltweit auf Industriepflanzen für die stoffliche Nutzung in einer biobasierten Wirtschaft. Die Notwendigkeit von Nachhaltigkeitsstandards rückt dabei immer mehr in den Fokus.

Trotz des kontinuierlichen Ausbaus von nachwachsenden Rohstoffen für stoffliche Nutzungen ist auch Deutschland weiterhin auf Importe angewiesen. Das gilt vor allem für Pflanzenöle wie Palm-, Kokos- oder Sojaöl sowie für Naturkautschuk, Baumwolle und Maisstärke. Allein für die Chemieindustrie werden enorme Mengen quer über den Globus transportiert: Von 3,6 Millionen Tonnen stofflich genutzter Biomasse im Jahre 2008 wurden allein 2,16 Millionen Tonnen importiert.

Die gesellschaftliche Diskussion um ökologische und soziale Probleme in exportierenden Entwicklungs- und Schwellenländern macht deutlich, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit auch bei importierten Rohstoffen ist. Die Bundesregierung und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) setzen sich daher für verbindliche internationale Standards und Zertifizierungssysteme ein. Die Einführung wirksamer Richtlinien für den globalen Agrar- und Forstsektor ist jedoch eine Herkulesaufgabe, die nicht von heute auf morgen bewerkstelligt werden kann.

Nachhaltigkeitskriterien implementieren

Mit der Entwicklung der International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) wurde ein wichtiger Schritt für eine unabhängige Bewertung unternommen. Sie ist das weltweit erste staatlich anerkannte Zertifizierungssystem für Hersteller von Biomasse und Bioenergie. Die ISCC-Zertifizierung soll nachhaltige von nicht-nachhaltiger Biomasse und Bioenergie unterscheiden und Landwirte sowie Verarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit in ihrem täglichen Handeln bewegen. Rund 1.600 Unternehmen aus 70 Ländern nutzen das System bereits. Neben ISCC wurde mit REDcert eine zweite Zertifizierung in Deutschland akkreditiert. Für die Anerkennung dieser Standards ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) verantwortlich. Die an diese Zertifikate gekoppelten Rechtsvorschriften in Deutschland und auf EU-Ebene beziehen sich jedoch nur auf Biomasse, die für die Stromerzeugung bzw. für die Herstellung von Biokraftstoff verwendet wird.

Deutschland geht mit gutem Beispiel voran

Aus diesem Grund wurde analog zu den oben genannten Zertifizierungssystemen unter Federführung des BMELV die "Initiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung für die stoffliche Biomassenutzung" – kurz "INRO" gestartet. Sie bringt Wirtschaftsverbände, Rohstoffhändler, Vertreter aus Wissenschaft sowie Umwelt- und Sozialverbände und Behörden zusammen, um freiwillige Nachhaltigkeitskriterien zu erarbeiten. Ziel ist, eine Grundlage für die Zertifizierung der stofflichen Biomassenutzung zu schaffen. Das BMELV will so mehr Akzeptanz schaffen und dazu beitragen, auch in diesem Biomassenutzungsbereich einen Nachhaltigkeitsstandard zu etablieren.

Chancen für biobasierte Produkte

Die Bundesrepublik Deutschland als führende Industrienation nimmt nicht nur bei Nachhaltigkeitsstandards eine Vorreiterrolle ein. Gerade wenn es um die stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe geht, wird die hiesige biobasierte Wirtschaft immer mehr als Innovationsmotor erkannt, der Wettbewerbsvorteile schafft und neue Märkte erschließt. Großes Potenzial steckt vor allem in der Entwicklung biobasierter Kunst- und Werkstoffe. Denn allein in Deutschland werden jährlich knapp neun Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht. Das entspricht dem Fassungsvermögen von insgesamt 360.000 Müllfahrzeugen. Für jeden Bundesbürger kommen so 110 Kilogramm im Jahr zusammen. Die Weltjahresproduktion 2010 lag bei 265 Millionen Tonnen Plastik – Tendenz weiter steigend.

Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen war noch vor 15 Jahren ein Randthema, das sich hauptsächlich in Laboren von Forschungseinrichtungen abspielte. Inzwischen gibt es eine große Bandbreite an Produkten mit dem Qualitätssiegel "Made in Germany": Verpackungen und Hygieneartikel, Schalen für Smartphones, Implantate, Büroartikel oder Duroplaste für Karosserieteile. Die Produktionskapazitäten für Biokunststoffe steigen weltweit von rund 700.000 Tonnen im Jahr 2010 voraussichtlich auf rund 1,7 Millionen Tonnen bis 2015.

Quelle: BMELV (Stand vom 25.10.2012)

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Inzwischen gibt es eine große Bandbreite an Produkten, die aus Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Inzwischen gibt es eine große Bandbreite an Produkten, die aus Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

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