Details zum Emissionshandel

Das europäische Emissionsrechtehandelssystem (European Emission Trading System, ETS) funktioniert nach dem Prinzip des Cap & Trade. Zuerst wird die Höhe der Treibhausgasemissionen ermittelt und auf ein bestimmtes Maß beschränkt, um danach mit den vorhandenen Emissionsberechtigungen zu handeln. Dadurch soll der Ausstoß schädlicher Klimagase in jenen Bereichen und Anlagen gesenkt werden, bei denen es am effizientesten ist.

Rechtliche Grundlage

Die Emissionshandelsrichtlinie („Richtlinie 2003/87/EG“) trat am 13. Oktober 2003 in Kraft und wurde 2009 durch die „Richtlinie 2009/29/EG“ erweitert und verbessert. Die Richtlinie musste von den EU-Mitgliedstaaten in nationale Gesetze umgesetzt werden. In Deutschland wurde sie mittels des „Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes“ (TEHG) umgesetzt, welches seit 15. Juli 2004 in Kraft ist. Darin wird die Deutsche Emissionshandelsstelle des Umweltbundesamtes (DEHSt) mit der Ausgabe von Zertifikaten und der Überwachung der Emissionen beauftragt. Die DEHSt verteilt die Emissionsberechtigungen nach den Vorgaben des Nationalen Allokationsplans (NAP) welcher von jedem EU-Mitgliedsland erstellt, aber von der Europäischen Kommission auf die Erreichbarkeit der Kyoto-Ziele hin überprüft wird. Dieser NAP besteht aus zwei Komponenten, dem Makroplan, welcher festlegt, wie viel Emissionszertifikate an die Anlagen in einem Land insgesamt ausgegeben werden sollen und dem Mikroplan, welcher die Verteilung der Zertifikate auf die einzelnen Anlagen vorgibt. Die Zuteilungsgesetze „ZuG 2007“ und „ZuG 2012“ sind die rechtsverbindliche Umsetzung des NAP in Deutschland.

Beispiel NAP - Makroplan:

Für die Phase II hat Deutschland 482 Millionen Zertifikate jährlich (von 2008 bis 2012) beantragt, die Kommission hat dies aber auf 453 Millionen Stück gekürzt. (Dies entspricht 2.265 Millionen Zertifikaten in 5 Jahren.) In Phase III (2013 bis 2020) gibt es keine nationalen Allokationspläne mehr. Stattdessen werden die Emissionszertifikate zentral von der Europäischen Kommission vergeben.

Beispiel NAP – Mikroplan:

Bezüglich der Verteilung der Zertifikate auf einzelne Anlagen gehen bisher alle Staaten in erster Linie nach dem Prinzip des Grandfathering (die Orientierung an historischen Emissionen der Anlage) vor. Demnach erhalten die Anlagen kostenlose Zertifikate gemäß ihren bisherigen Emissionen. Nur ein kleiner Teil der Zertifikate wird in einigen Ländern auch versteigert. In Deutschland war die Anfangsausstattung mit Zertifikaten bisher (Phase I und II) zu 100 Prozent kostenlos, einzige Ausnahme waren Stromerzeuger, diese erhielten nur 91,2 Prozent der Zertifikate kostenlos. Die verbleibenden 8,8 Prozent werden von der staatlichen KfW-Bankengruppe über die Börse verkauft. Dadurch werden monatlich etwa 80 Millionen Euro erzielt. (Weitere Sonderregelungen bei: „early action“, „Kraft-Wärme-Kopplung“, Abschaltung von Atomkraftwerken.)

Die 3 Phasen des Emissionshandels

In den ersten beiden Phasen des Emissionshandels wurde von den EU-Mitgliedstaaten gemeinsam festgelegt, wie viele Emissionszertifikate (also Treibhausgasemissionen) den Unternehmen insgesamt zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Verteilung der Zertifikate wurde im NAP bzw. im ZuG (in Deutschland) geregelt. Das Ausmaß der Emissionen der einzelnen Anlagen wird in der Regel über die Erfassung der verbrannten Energieträger ermittelt. Durch die Verbrennung einer Tonne Kohlenwasserstoffe entstehen knapp drei Tonnen Kohlendioxid. Dieser Wert ist bei Kohle etwas höher als bei Öl und dieser wiederum höher als bei Erdgas. Ein Zertifikat (= eine European Union Allowance, EUA) erlaubt dabei die Emission von einer Tonne CO2

In der am 23. April 2009 von der EU beschlossenen dritten Handelsphase kommt es zu einer Neuregelung der Vergabe von Gratiszertifikaten. Es gibt keine NAPs mehr, stattdessen legt die Europäische Kommission eine EU-weite Gesamtobergrenze für CO2-Emissionen fest, d. h. die Emissionszertifikate werden zentral von der Europäischen Kommission vergeben. Zuständig hierfür ist der Kommissar für Klimaschutz. Außerdem sollen die Zertifikate verstärkt durch Versteigerung vergeben werden. Jene Zertifikate, die weiterhin kostenlos sind, werden in Zukunft nicht mehr nach dem Grandfathering vergeben, sondern nach dem Prinzip der besten verfügbaren Technologie (Best Available Technology, BAT, Orientierung am technischen Standard der Anlagenklasse). Die Gesamtobergrenze für CO2-Emissionen beträgt beispielsweise im Jahr 2013 nur noch 1,97 Milliarden Tonnen CO2. Nach diesem Jahr wird die Menge jährlich um 1,74 Prozent gesenkt, um sie schließlich im Jahr 2020 auf 1,72 Milliarden Tonnen oder 79 Prozent der Emissionen des Jahres 2005 zu begrenzen.

Handel und technischer Ablauf

Obwohl von EU-Emissionszertifikaten die Rede ist, existieren diese nicht als Dokumente in Papierform. Der Handel findet in einem rein elektronischen System statt und erfolgt über Börsen, Makler oder over the counter (OTC), also direkt zwischen den Beteiligten. Marktteilnehmer, die Emissionszertifikate kaufen oder verkaufen wollen, müssen ein elektronisches Konto eröffnen, mittels dessen die Transaktionen abgewickelt werden. Es existieren mehrere Marktplätze für Emissionsberechtigungen, zum Beispiel die European Climate Exchange (ECX) in London, die Energiebörse European Energy Exchange (EEX) in Leipzig oder die Energy Exchange Austria (EXAA) in Wien.

Beispiel – Handel:
Im Jahr 2005 wurden ca. 362 Millionen Zertifikate (= Tonnen CO2) im Wert von ca. 7,2 Milliarden Euro gehandelt. Im Jahr 2006 stieg das Handelsvolumen auf eine Milliarde Zertifikate, 2007 auf 1,6 Milliarden und 2008 auf nahezu 3,1 Milliarden. Auf den europäischen Handel entfielen etwa 73 Prozent des globalen Zertifikathandels, der 2008 einen Wert von 92,4 Milliarden Euro umfasste.

Weitere Details

Am 20. Dezember 2007 einigten sich die EU-Umweltminister darauf, ab 2012 auch den Luftverkehr in den EU-Emissionsrechtehandel einzubeziehen. Damit müssen alle Fluglinien, die in der EU starten oder landen, in Zukunft Emissionszertifikate kaufen. Damit soll der seit 1990 um 87 Prozent gewachsene CO2-Ausstoß des Luftverkehrs verringert werden.

Zukünftig sollen auch andere klimaschädliche Substanzen wie Lachgas und vollhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe in das Emissionshandelssystem miteinbezogen.

Quelle: DEHSt / Seite „EU-Emissionshandel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. August 2013, 12:14 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=EU-Emissionshandel&oldid=121958948 (Abruf: 2013-08-29, 15:02 UTC)

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