Rückblick

09.07.2014

Grenzenlos Netzwerken – Industrielle Biotechnologie in München öffnet Tür und Tor

Das 12. IBB-Netzwerktreffen fand dieses Jahr am 7. und 8. Juli im Courtyard by Marriott in München statt. Zwei kurzweilige Tage, gespickt mit spannenden Vorträgen, dem Wiedersehen alter Bekannter und Kennenlernen neuer Kontakte, dem festlichen 5+1-Firmenjubiläum der IBB Netzwerk GmbH und einer Menge Möglichkeiten für künftige Projekte. Das und noch vieles mehr bot die Veranstaltung seinen Netzwerkmitgliedern – und in 2014 zum ersten Mal auch der interessierten Öffentlichkeit.

Netzwerk pur – Status Quo und neue Entwicklungen

Auf die Begrüßung und Darstellung des Status Quo des IBB Netzwerks sowie der GmbH durch Professor Haralabos Zorbas am Vormittag des ersten Tages (Präsentation nebenstehend) folgte gleich der Einstieg in die Biopolymerbranche. Ein von mehreren Blickwinkeln aus betrachteter, spannender Vortrag von Professor Hans-Josef Endres vom Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe an der Hochschule Hannover trug den Titel „Biokunststoffe – Nachhaltige Werkstoffe der Zukunft oder nur Modetrend?“. Ein beeindruckender Vergleich zeigte: Jene Landflächen (weltweit!), welche benötigt werden um die Menge an Nahrungsmitteln zu generieren, die von der Bevölkerung wieder weggeworfen werden, würde vollkommen ausreichen, um alle erdöl-basierten Kunststoffe durch Biokunststoffe zu ersetzen.

Im Anschluss daran stellte Frau Dipl.-Ing. Birgit Lewandowski von der Fritzmeier Umwelttechnik GmbH & Co. KG die Aktivitäten ihrer Firma innerhalb des IBB-Netzwerks vor. Dazu zählen so unterschiedliche Projekte wie die Gewinnung von Biobutanol aus Nebenprodukten der Müllerei (mehr...) oder die Verwendung neuer Ausgangsstoffe, um biobasierte Polymere herzustellen. Auch zwei neue Mitglieder nutzten die Gelegenheit, sich den Netzwerkpartnern vorzustellen: Frau Ir. Muriel Dewilde präsentierte die in Ghent/Belgien ansässige Bio Base Europe Pilot Plant. Diese ist eine öffentlich zugängliche Demonstrations- und Up-Scaling-Anlage, welche ohne Beschränkungen von allen Interessierten genutzt werden kann. Von Dipl.-Ing. Martin Spitznagel wurde das innovative Konzept der Dust BioSolutions GmbH vorgestellt: das Unternehmen macht „Staub zu Stein“ und kann so vielen, durch verschiedenste Stäube belasteten Industriezweigen, ein sichereres, wirtschaftlicheres und effizienteres Arbeitsumfeld ermöglichen. Der Staub wird einfach durch Auftragen „mikrobieller Helfer“ verfestigt.

Bunter Mix an Beiträgen schafft den Blick über den Tellerrand

Am Nachmittag des 7. Juli folgten vier Spezial- und Fachvorträge. Professor Reinhard Hüttl vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech startete mit „Technische Innovationen und gesellschaftliche Akzeptanz am Beispiel Bioökonomie“. Darin ging er u. a. auf einige wichtige Aspekte einer nachhaltigen Biomasseproduktion ein und legte ein besonderes Augenmerk auf die Ressource Boden. Ebenso betonte er die Bedeutung einer adäquaten Kommunikation für eine robuste gesellschaftliche Akzeptanz von Wissenschaft und Technik.

Darauf schloss sich „FasCiPlex – faszinierend komplex“ an, eine Präsentation von Dr. Wolfang Schwarz, welcher an der Technischen Universität München (TUM) am Lehrstuhl für Mikrobiologie die enzymatische und industrielle Zersetzung von Cellulose erforscht. Mit diesem Ansatz war er auch kürzlich bei der „Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio“ erfolgreich. (Mehr…)

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – dieses Sprichwort bestätigte Frau Gisela Goblirsch von der pr-c.o.m.petence – marketing communication auch für Netzwerke. Sie zeigte den Teilnehmern den „Sinn und Zweck von Bekennerschreiben“ und wie essentiell die Kommunikation im Netzwerk ist. Die richtig kommunizierte Netzwerkmitgliedschaft ermöglicht der eigenen Branche als auch dem eigenen Unternehmen Wahrnehmung und Förderung im weiteren wirtschaftlichen und politischen Umfeld.

Als Vorsitzender der Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) und Direktor des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb gab Professor Dietmar Harhoff als letzter Redner der Nachmittagssession Einblicke in die „Forschung und Innovation in Deutschland“. Er präsentierte die Ergebnisse des diesjährigen EFI-Gutachtens, das sich kritisch mit der Situation in Deutschland auseinandersetzt, und ging u. a. auf die Mobilität von Wissenschaftlern, Innovationen aus der Hochschulmedizin und einige Erkenntnisse sowie aktuelle Entwicklungen zum EEG ein. (Mehr...)

6-jähriges (5+1) Firmenjubiläum

Der Abend wurde von der IBT Band („Die fantastischen Drei“, wie sie Professor Zorbas titulierte) musikalisch eingeleitet. Diese ganz im Zeichen der Industriellen Biotechnologie stehenden Musiker – Anja Koller am Piano, Julia Tröndle an der Klarinette und Hannes Löwe am Bass – sind Absolventen des Masterstudiengangs Industrielle BioTechnologie (mehr...) der TU München. Darauf folgend klärte Professor Zorbas, das schon bei einigen Teilnehmern für Fragezeichen sorgende, 6-jährige Jubiläum auf. Gefeiert wurde eigentlich das 5+1-Jubiläum: fünf Jahre nach dem Auslaufen der BMBF-Initiative „BioIndustrie 2021“, welche zur Gründung der IBB führte, existiert die IBB Netzwerk GmbH auch noch im Jahr Eins danach mit neuen Aufgaben und neuem Profil fort und stellt sich den kommenden Herausforderungen. (Mehr...)

Daran schlossen sich die Festreden der Gratulanten an: ob bayerische, nationale oder europäische Politik, Großindustrie, Mittelstand oder Akademie; sie alle überbrachten der IBB Netzwerk GmbH ihre besten Glückwünsche und ein herzliches „weiter so“.

Aus der bayerischen Politik beehrte Staatssekretär Franz Josef Pschierer, MdL, vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie die vielgestaltige Runde. Ministerialdirektor Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gratulierte der IBB Netzwerk GmbH ebenso wie Dr. Angelika Niebler, MdEP, mit einem schriftlichen Grußwort, da sie aufgrund ihrer jüngsten Aufgaben als Vorsitzende der CSU-Europagruppe im Europäischen Parlament leider nicht persönlich anwesend sein konnte. Als Vertreter der Großindustrie sprach Dr. Markus Rarbach von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH seine Wünsche aus und als Repräsentant des Mittelstandes überbrachte Jens Klein von der AMSilk GmbH seine Gratulation. Professor Thomas Scheibel vom Lehrstuhl Biomaterialien an der Universität Bayreuth übermittelte nicht nur seine besten Wünsche, sondern vermachte Professor Zorbas sogar das „letzte Hemd“ der „Königin von Saba“ – seiner achtbeinigen, haarigen Helferin – dem sie vergangenen Freitag erst entwachsen ist und sorgte damit auch für ein bisschen Gruselfaktor in der Runde.  Doch danach klang der Abend bei jazziger Musik, Buffet und mit anregenden Unterhaltungen ohne weitere Gänsehaut gemütlich aus.

Noch mehr Netzwerkmitglieder, Neuigkeiten und provokative Themen am zweiten Tag

Der Morgen des zweiten Netzwerktages startete mit einem frischen Beitrag von Professor Dirk Weuster-Botz vom Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik an der TUM mit dem Titel „Cell-based bioproduction of chemicals from CO2?“. Darin formulierte er einige Ergebnisse zur Fixierung von CO2 mittels zellbasierter Verfahren und ging speziell auf die Acetatherstellung aus CO2 und H2 durch das Bakterium Acetobacterium woodii ein.

Ihm folgte gleich die Vorstellung von weiteren neuen Netzwerkmitgliedern: Fokus der Speetect GmbH, einer Ausgründung der EADS Innovation Works, wurde von Dr. Hans Lobentanzer präsentiert. Das Unternehmen hat zum Ziel, Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Bakteriendetektion zu einer vermarktbaren Gerätefamilie weiterzuentwickeln. Arno van de Kant stellte die Bioprocess Pilot Facility in Delft/Niederlande vor. Auch dieses Unternehmen bietet eine, für alle Interessenten öffentlich zugängliche, Pilotanlage für das Up-Scaling von Produktionsprozessen an. Als drittes neues Netzwerkmitglied stellte sich an diesem Tag Dr.-Ing Tilo Gailat von der Professur für Papiertechnik an der Universität Dresden vor. Forschungsschwerpunkte sind u. a. neue energieeffiziente Prozesse, Materialforschung und die Oberflächenbewertung innerhalb der Papierfraktion.

Den wohl provokantesten Beitrag lieferte Dipl.-Phys. Michael Carus, Geschäftsführer des nova-Instituts für politische und ökologische Innovation. Er zeigte den Teilnehmern „Die zehn Irrtümer der Bioökonomie“ auf; von den Biokraftstoffen der 2. und 3. Generation, über die Tank-Teller-Trog-Diskussion bis hin zu Drop-In-Lösungen stellte er andere Sichtweisen und Argumente vor und regte damit neue Denkweisen an.

Dr. Dr. h.c. Christian Patermann, Direktor a.D. bei der Europäischen Kommission, stellte in seinem Vortrag „Europa auf dem Weg in die Bioökonomie – Hype oder Realität?“ eine weitere herausfordernde Frage. Er spannte den Bogen von 2005, als die Bioökonomie von der Europäischen Kommission auf den Weg gebracht wurde bis zu den aktuellen Bioökonomie-Strategien einzelner Länder. Deutschland nimmt mit der in 2010 eingeführten „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ und der „Politikstrategie Bioökonomie“ Mitte 2013 eine wichtige Vorreiterrolle ein.

Den leuchtenden Abschluss – im wahrsten Sinne des Wortes – bildete Professor Petra Schwille, Direktorin des Max-Planck-Institut für Biochemie – Abteilung Zelluläre und Molekulare Biophysik. Sie trug mit „Sind Zellen konstruierbar? Konzepte und Visionen der Synthetischen Biologie“ ihre Forschungsergebnisse zu Minimalzellen vor. Sie zeigte den Teilnehmern anhand leuchtend-oszillierender Proteine einen möglichen Weg für die Zellteilung in künstlichen Zellen.


Die IBB Netzwerk GmbH dankt allen, fast 100 Teilnehmern des 12. Netzwerktreffens für die kreativen Beiträge, die anregenden Ideen, interessanten Kontakte und provokativen Denkanstöße!

© IBB Netzwerk GmbH/kh

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Volles Haus beim 12. IBB-Netzwerktreffen am 7. und 8. Juli 2014. Foto: IBB Netzwerk GmbH/sv

Volles Haus beim 12. IBB-Netzwerktreffen am 7. und 8. Juli 2014. Foto: IBB Netzwerk GmbH/sv

Professor Scheibel (rechts) von der Universität Bayreuth überreichte Professor Zorbas (links) als Jubiläumsgeschenk das „letzte Hemd“ der „Königin von Saba“ – seiner Vogelspinne – welches sie vergangenen Freitag abgestreift hat. Foto: IBB Netzwerk GmbH/sv

Professor Scheibel (rechts) von der Universität Bayreuth überreichte Professor Zorbas (links) als Jubiläumsgeschenk das „letzte Hemd“ der „Königin von Saba“ – seiner Vogelspinne – welches sie vergangenen Freitag abgestreift hat. Foto: IBB Netzwerk GmbH/sv

Inzwischen hat die fragile Haut der Vogelspinne schon einen neuen Platz in den Räumen der IBB gefunden. Foto: IBB Netzwerk GmbH/kh

Inzwischen hat die fragile Haut der Vogelspinne schon einen neuen Platz in den Räumen der IBB gefunden. Foto: IBB Netzwerk GmbH/kh

Dateien
01_Zorbas_Status_Quo_12._IBB-Netzwerktreffen_2014_a_01.pdf
01_Zorbas_Rede_Vormittag_01.pdf
10_Zorbas_Begruessung_Jubilaeum_12._IBB-Netzwerktreffen_2014.pdf
10_Zorbas_Rede_Nachmittag_01.pdf
Dr._Angelika_Niebler__MdEP__Grusswort_IBB_01.pdf
MinDir_Clemens_Neumann__Festrede_IBB.pdf
Dr._Markus_Rarbach__Festrede_IBB_Netzwerktreffen_01.pdf
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