Volkswirtschaftliche Relevanz der Industriellen Biotechnologie

Inhalt:

Als Teil der „Green Economy“ vereint die Industrielle Biotechnologie ökonomische mit ökologischen Bestrebungen der Wirtschaft und trägt so maßgeblich dazu bei, die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Neben der Treibhausgasminderung zählen dazu u. a. die globale Ernährungssicherung und die Entwicklung alternativer Rohstoff- und Energiequellen.

Daten & Fakten

Unternehmen, Arbeitsplätze und Bruttowertschöpfung in Deutschland

  • 13 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland und knapp acht Prozent der Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft stehen in direkter Verbindung mit der Nutzung biologischer Ressourcen. [1]
  • 2012 waren circa elf Prozent bzw. 61 (2011: 58) der insgesamt 565 (2011: 552) deutschen Biotechnologie-Unternehmen ausschließlich im Bereich der Industriellen Biotechnologie aktiv. [9]
  • 2012 waren in 90 Biotech-Unternehmen (2010: 82) mit Hauptfokus oder teilweisem Fokus auf Industrieller Biotechnologie 3.495 Menschen beschäftigt (2010: 3.200). [3]
  • Zum Vergleich: 2012 waren in deutschen Unternehmen mit Tätigkeitsschwerpunkt Biotechnologie (auch „Rote“ Biotechnologie) insgesamt 17.430 Menschen beschäftigt (2010: 15.480). [9] Das bedeutet, dass 2012 circa 20 Prozent (2010: ca. 21 Prozent) der Arbeitnehmer der Biotechnologie-Branche im Bereich der Industriellen Biotechnologie tätig waren.

Der Sektor Industrielle Biotechnologie gewinnt darüber hinaus noch mehr an Bedeutung, wenn die noch weit größere Anzahl biotechnologisch aktiver Unternehmen mitgezählt wird. Hierunter fallen diejenigen Unternehmen, welche nur in einem Teilgebiet ihrer Unternehmensstruktur Verfahren der Industriellen Biotechnologie anwenden. Für 2012 gaben daher weitere 178 Unternehmen (knapp 32 Prozent) an, dass sie sich zwar nicht ausnahmslos, aber unter anderem auch der Industriellen Biotechnologie für ihre Aktivitäten bedienen. [9]

Daten zur Entwicklung der Umsätze und F&E-Investitionen finden Sie unter „Industrie und Green Economy“.

Beispieldaten ausgewählter Segmente

Fein- und Bulkchemikalien

Im Bereich Feinchemikalien erklärte die DECHEMA, dass der weltweite Marktanteil biotechnologischer Produkte dieses Sektors auf 50 Milliarden US Dollar geschätzt wird. Dies entspricht 16 Prozent des Gesamtmarktanteils biotechnologischer Produkte von 800 Milliarden US Dollar. [4]

Großvolumige biotechnologische Produkte (Bulkchemikalien) sind laut BMBF z. B. Aminosäuren wie L-Glutamat mit einer Weltjahresproduktion von 2,5 Millionen Tonnen und weitere Chemikalien wie Säuren, Biopolymere, Vitamine oder Kohlenhydrate mit einer Weltjahresproduktion von bis zu 20 Millionen Tonnen. [5]

Bioschmierstoffe

Laut der Freedonia Group-Studie "World Lubricants" aus dem Jahr 2011 lag der weltweite Bedarf an Schmierstoffen in 2010 bei 36,7 Millionen Tonnen. Desweiteren wird dieser Bedarf bis 2015 auf circa 42 Millionen Tonnen ansteigen. In Deutschland werden laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) derzeit jährlich etwas über eine Million Tonnen Schmierstoffe eingesetzt, davon circa 3,5 Prozent (35.000 Tonnen) Bioschmierstoffe.“ [6]

Biokraftstoffe

Für die globale Produktion von Biokraftstoffen im Jahr 2010 ermittelte das World Watch Institute eine Steigerung um 17 Prozent auf 105 Milliarden Liter im Vergleich zu 2009 (90 Milliarden Liter). [7]

Biopolymere

Eine Freedonia-Studie (von November 2011) prognostiziert für den globalen Biokunststoffmarkt einen starken Ausbau der Produktion. So soll sich die weltweite Nachfrage nach biologisch abbaubaren und bio-basierten Kunststoffen bis zum Jahr 2015 mehr als verdreifachen – auf rund eine Million Tonnen. Dies entspricht einem Wert von 2,9 Milliarden USD. Bei den biologisch abbaubaren Polymeren wird den thermoplastischen Stärken, der Polymilchsäure (PLA) und vor allem den Polyhydroxyalkanoaten (PHA) das größte Wachstum zugeschrieben. [8] (mehr…)


Quellennachweis:

[1] Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): Biobasierte Wirtschaft eröffnet neue Chancen für den Umweltschutz und die Wirtschaft in Deutschland. Pressemitteilung Nr. 312 vom 25.10.12. URL: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2012/312-Biobasierte_Wirtschaft.html?searchArchive=0&submit=Suchen&monat=monat&jahr=jahr&searchIssued=1&oneOfTheseWords=Biobasierte+Wirtschaft (Abruf: 2013-08-27)
[2] biotechnologie.de: Die deutsche Biotechnologie-Branche 2012. biotechnologie.de, BIOCOM AG (Hrsg.), Berlin 2012, S. 10-11. URL: http://www.biotechnologie.de/BIO/Redaktion/PDF/de/umfrage/2012-umfrage,property=pdf,bereich=bio,sprache=de,rwb=true.pdf (Abruf: 2013-08-27)
[3] biotechnologie.de/sd (via Email: 2013-08-30)
[4] DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.: Biotechnologie ganz groß! – Status Quo. URL: http://bio2020.dechema.de/Biotechnologie+ganz+gro%C3%9F!.html (Abruf: 2013-08-27)
[5] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Weiße Biotechnologie – Chancen für eine bio-basierte Wirtschaft. Bonn, Berlin 2012. S. 38.
[6] DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.: ACHEMA Trendbericht Nr. 19: Biobased Chemicals, Biobasierte Schmierstoffe. Pressemitteilung Mai 2012. URL: http://presse.achema.de/ACHEMA_Pressemitteilungen/Trendberichte/tb_19_de+Biobased+Chemicals.html (Abruf: 2013-08-27)
[7] Worldwatch Institute: Biofuels Make a Comeback Despite Tough Economy. URL: http://www.worldwatch.org/biofuels-make-comeback-despite-tough-economy (Abruf: 2013-08-27)
[8] The Freedonia Group, Inc.: World Bioplastics. Study # 2823. November 2011.
[9] biotechnologie.de: Die deutsche Biotechnologie-Branche 2013. biotechnologie.de, BIOCOM AG (Hrsg.), Berlin 2013, S. 17-19. URL: http://www.biotechnologie.de/BIO/Redaktion/PDF/de/umfrage/2013-umfrage.pdf (Abruf: 2013-08-27)