Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von heute sieben Milliarden auf über neun Milliarden Menschen anwachsen. [1] Diese Entwicklung setzt die heutige Landwirtschaft angesichts knapper Ressourcen unter Druck: die Nachfrage nach Ackerflächen, Pflanzenschutzmittel, Energie, Dünger, Lebens- und Futtermitteln – und allgemein nach natürlichen Ressourcen – wird enorm steigen.

Die Lösung für diese Herausforderungen sind Innovationen, wie sie die Industrielle Biotechnologie zu bieten hat, darunter z. B die nahezu vollständige stoffliche und energetische Verarbeitung von Nachwachsenden Rohstoffen in Bioraffinerien, um dem steigenden Bedarf an Industrieprodukten zu begegnen. Ebenso kann die Herstellung von Biokraftstoffen der 2. und 3. Generation dem weltweiten Hunger nach Energie entgegengesetzt werden. Aber auch widerstandsfähigere Pflanzen und ertragreichere Sorten können mit Methoden der Industriellen Biotechnologie produziert werden, als auch völlig neue, umweltfreundlichere und effizientere Pflanzenschutzmittel.

Daten & Fakten - Biotechnologische Konversion von landwirtschaftlichen Rohstoffen

  • Der Anteil Nachwachsender Rohstoffe in der Chemischen Industrie beläuft sich seit 2008 auf circa 13 Prozent. Dies entspricht 2,7 Millionen Jahrestonnen (Stand März 2012). [2]
  • Biomasse - Stoffliche Verwertung: Derzeit werden circa 400.000 Hektar der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland für den Anbau von Industriepflanzen, wie z. B. Mais, Raps, Sonnenblumen oder Zuckerrüben genutzt. Zum Vergleich: Die Gesamtackerfläche von Deutschland wird auf 11,9 Millionen Hektar beziffert, d. h. die Fläche für den Industriepflanzenanbau beträgt nur rund 3,4 Prozent der deutschen Ackerfläche. [3]
  • Biomasse - Energetische Verwertung: Circa 2,1 Millionen Hektar der Agrarfläche werden dagegen für den Anbau von Energiepflanzen, wie z. B. diverse Hölzer (Buchen, Eichen, Fichten usw.) aber auch Miscanthus oder Durchwachsene Silphie, genutzt.

Daten zu Bioschmierstoffen, Biokraftstoffen und Biopolymeren finden Sie im Menüpunkt „Volkswirtschaft“.

Hintergrund: Bioenergie

Bioenergie aus Biomasse wird derzeit stark ausgebaut. Rund 70 Prozent der erneuerbaren Energien stammen bereits heute schon aus Biomasse. [4] Dabei sind die heimischen Biomasseressourcen noch lange nicht vollständig erschlossen.

Zu den größten Vorteilen von Bioenergie zählen:

  • sie lässt sich gut speichern und ist flexibel nutzbar
  • sie ist jederzeit verfügbar (im Gegensatz zu z. B. Wind- oder Solarenergie)
  • sie verbrennt treibhausgasneutral; d. h. es werden nicht mehr schädliche Treibhausgase bei der Nutzung von Bioenergie freigesetzt, als zuvor durch die Biomasse gebunden wurden.

Hintergrund: Biotechnologisch hergestellte Futtermittelzusatzstoffe

Futtermittelzusatzstoffe für die Tierzucht sind in der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. So tragen biotechnologisch hergestellte Vitamine oder Enzyme, wie z. B. L-Lysin, mit einem geringeren Ressourceneinsatz und niedrigerer Umweltbelastung als bei chemischen Produktionsverfahren dazu bei, mehr tierische Proteine zu erzeugen. Organische Säuren werden dagegen eingesetzt, um z. B. Getreide zu konservieren. Passende Farbabstufungen bei der Pigmentierung von Eidottern, Lachs oder Krustentieren werden durch den Zusatz von Carotinoiden erreicht.

Dass die biotechnologische Produktion von Futtermittelzusatzstoffen auch von den großen Industrien als zukunftsträchtig eingestuft wird, zeigen z. B. die Investitionen von Evonik in eine Biolys-Anlage in Brasilien. Die Anlage wird am Standort des Unternehmens Cargill gebaut und soll 2014 in Betrieb gehen. (mehr…)

Moderne Technologien wie die Industrielle Biotechnologie, ebnen den Weg zu einer effizienteren, wirtschaftlicheren und zugleich nachhaltigeren Landwirtschaft.

Hintergrund: Biogene Pflanzenschutzmittel

In der Landwirtschaft besteht ein großer Bedarf an Pflanzenschutzmitteln, um u. a. hohe Erträge und hohe Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge zu sichern. Derzeit werden die meisten Pflanzenschutzmittel auf Basis fossiler Rohstoffe produziert, doch sind bereits bei vielen Schädlingen/(Un-)Kräutern Resistenzen vorhanden. Deshalb werden neue Wirkmechanismen benötigt, nicht zuletzt auch, um Pflanzenschutzmittel besser ökologisch abbaubar zu machen oder mit spezifischeren Wirkspektren auszustatten. Dass dieser Trend Zukunft hat, beweisen auch die Aktivitäten der Firma Bayer CropScience, welche mit Hilfe biotechnologischer Methoden eine neue Generation an Pflanzenschutzmitteln eröffnen möchte.


Quellennachweis:

[1] UNFPA, Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen: Das Recht auf Entscheidung - Weltbevölkerungsbericht 2012 Kurzfassung. Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (Hrsg. Deutsche Fassung), Hannover 2012, S. 9. URL: http://www.weltbevoelkerung.de/aktuelles/details/show/detail/News/weltbevoelkerung-waechst-bis-2050-staerker-als-angenommen-auf-96-milliarden-menschen.html (Abruf: 2014-04-07)
[2] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten René Röspel, Dr. Ernst Dieter Rossmann, Willi Brase, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD – Drucksache 17/8633 – Stand und Perspektiven der Weißen Biotechnologie. Drucksache 17/8891 vom 07. März 2012. S. 2. URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/088/1708891.pdf (Abruf: 2013-08-28)
[3] Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): Zahl der Woche - 400.000 Hektar der Ackerfläche in Deutschland werden für den Anbau von Industriepflanzen genutzt. Pressemitteilung Nr. 346 vom 15.11.12. URL: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2012/346-Zahl-der-Woche.html (Abruf: 2013-08-28)
[4] Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): Aktionsprogramm „Energie für morgen – Chancen für ländliche Räume“. BMELV (Hrsg.), Berlin 2009, S. 6.